Ein „tierischer“ freier Tag

„Hochwohlgeborener Herr,

Insbesondere hochgeehrtester Herr Oberjägermeister!

Auf Serenissimi hochfürstlicher Durchlaucht gnädigsten befehl überschicke [ich] anbey die verlangten Riße von der Phasanerie, welche [ich] nach gnädigster Intention Ihrer hochfürstlichen Durchlaucht gezeichnet habe. Die Ausziehrung dieser Riße hätte wohl besser seyn können, die hiesige viele bauarbeit aber, womit ich gäntzlich überladen bin, hat mich daran verhindert, jedoch thut es zum Hauptwerck nichts. Ich wünsche, dass es gnädigste Approbation finden möge.

Der ich mich Ihrer durchlaucht unterthänigst zu Füßen zu legen bitte, und verharre Ew. hochwohlgebohrnen gnaden

Gantz gehorsambst Ergebenster diener

F. A. Stengel

Saarbrücken, den 16ten Juli 1744″

25 Jahre Tag der Deutschen Einheit, wie schön! Aber vor allem: Wie schönes Wetter! An einem so strahlenden Oktobertag bei sommerlichen Temperaturen in der Wohnung zu bleiben, wäre eine Schande. Also, nach dem obligatorischen Tantenfrühstück nichts wie raus. Wohin? Durch den Wald in die Fasanerie. Kurz davor wären wir fast wieder umgekehrt, denn auf dem Parkplatz prügelten sich entnervte Eltern beinahe mit anderen entnervten Eltern um Mikromillimeter große Parklücken, während es ihnen deren Kinder auf der Rückbank gleichtaten. Durch die halbheruntergefahrenen Scheiben! Ein apokalyptisches Aggressions-Inferno!

Aber wir kämpften uns durch, überlegen lächelnd zu Fuß hindurchschreitend wie Israel durchs Schilfmeer: Geschrei wie eine Mauer zur Rechten und zur Linken… um uns dann, beinahe in einer Oase der Ruhe in diesem wirklich schönen und traditionsverhafteten Tierpark wiederzufinden. Tradition meint in dem Fall sowohl die lange Geschichte der Fasanerie (die bereits im frühen 18. Jhdt. beginnt), sowie meine Geschichte. Für Wiesbadener Familien mit kleinen Kindern ist der Tierpark wohl schon immer ein beliebtes Ausflugsziel, und meine Familie stellte keine Ausnahme dar. Noch immer stellt sich dieses bestimmte Gefühl der Ausflüge von früher ein – meistens hatten wir dann Besuch einer befreundeten Familie mit Kindern im annähernd genau gleichen Alter, die mit von der Partie waren – Nachmittage mit Butterkeksen und Apfelschorle aus Tuppertrinkbechern an der frischen Luft. Nachmittage, an denen nur eins präsent war: Zusammen eine gute Zeit zu haben und das Gefühl, dass es nur das Jetzt gibt.

Die Tiere, die es dort zu sehen gibt, sind allesamt heimisch, oder zumindest ehemals heimisch: Klein- und Nutztiere, aber auch Bären, Wölfe, Luchse, verschiedene Vögel, Rot- und Dammwild und: Nutria! Nutria sind meine absoluten Lieblinge in der Fasanerie, und das schon immer. Früher hat sich bei uns der Name „Alte Opas“ eingebürgert, denn so sehen die aus. Die meisten sind grau, haben einen Bart,… ich könnte ihnen stundenlang bei der Körperhygiene zuschauen, ich bin jedes Mal versucht zu fragen, ob ich dem Herrn noch Duschgel reichen soll… 🙂

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Dann hier noch der Werbeblock für die Fasanerie: Schaut sie Euch an, es kostet keinen Eintritt, und wer sie noch von früher kennt: Es hat sich eine Menge getan, und das ist schön zu sehen. Ich hoffe, sie bleibt Wiesbaden noch lange erhalten! Hier gibt es mehr Info: http://fasanerie.net

Viel Spaß!