Apfel-Cranberry-Chutney

Was tun, wenn man zwei Tage, bevor man in den Urlaub fährt, 2 Kg frühe Äpfel geschenkt bekommt und die Tiefkühltruhe so voll ist, dass man höchstens einen Fingerhut voll Apfelmus einfrieren kann? Genau: Einkochen. In diesem Fall Apfelchutney.

Das Rezept habe aus der

out-pictures-master-category-icon-genuss-1-jpg150x90-01345462799genuss(1) 08/2014, habe es allerdings ein wenig abgewandelt. Ich kenne zum Beispiel Menschen, die aus irgendwelchen Gründen keine Rosinen mögen, deswegen Cranberrys, die mag ich sowieso irre gern. Kandiszucker habe ich durch Rapadura-Zucker ersetzt, für den ich mich an dieser Stelle mal stark machen möchte. Er schmeckt so karamellig-würzig, dass man ihn verwenden sollte, wann immer man etwas nicht einfach nur eindimensional süß, sondern spannend machen möchte.

Zutaten:

  • 150g Zwiebeln
  • 150 g Cranberrys (Rezept: Rosinen)
  • 1 EL Senfkörner
  • 1 TL Salz
  • 1 TL geriebener frischer Ingwer (im Rezept steht „evtl. 1 TL gemahlener Ingwer. Quark, auf dieses Staubzeug stehe ich gar nicht! Außer auf getoastetem Brot mit Butter und Salz, aber das ist eine andere Geschichte, fällt unter Kindheitserinnerung…)
  • 1 Prise grob geschrotete Chilischote
  • 250 ml Weißweinessig
  • 600g Rapadura-Zucker (das Rezept sagt brauner Kandis, ist womöglich authentischer, aber wie gesagt: Rapadura-Addict!)
  • 1 Kg feste säuerliche Äpfel
  • Gläser mit Twist-off-Deckel oder Weckgläser

Zubereitung:

  • Zwiebeln schälen und fein würfeln
  • Ingwer schälen und fein reiben (ich schwöre auf Microplane!)
  • Cranberrys, Zwiebeln, Senf, Salz, Ingwer, Chili, Essig und Zucker unter Rühren aufkochen und 20 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen
  • Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in feine Scheiben schneiden (man kann sie sicher auch würfeln, dann müssen sie aber ziemlich klein sein oder man verlängert die Kochzeit. Reiben sieht nicht so hübsch aus, denke ich), auch in den Topf geben und bei mittlerer Hitze 3-5 Minuten köcheln. Die Äpfel sollen weich sein, aber nicht zerfallen.
  • Alle festen Zutaten aus dem Fond heben und in vorbereitete Gläser geben, Sud aufkochen und kochend heiß bis zum Rand in die Gläser füllen, fest verschließen und auf dem Kopf stehend auskühlen lassen (ist bei Weckgläsern natürlich nicht nötig, Metallspange drauf und gut ist).

→ theoretisch dürfte das heiß Einfüllen genügen, ich habe damit noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Da ich aber leichte Paranoia davor habe, mir Arbeit zu machen, und am Ende verdirbt doch alles, oder schlimmer: Ich verschenke etwas, das dann verdorben ist…, habe ich meine Gläschen noch in den Backofen in ein Wasserbad gestellt, Temperatur auf 175°C und gewartet, bis in den Gläsern Bläschen aufgestiegen sind. Ich denke nicht, dass da irgendwas , was nicht reingehört, überlebt haben kann…

Da haben die Dornen Rosen getragen…

Zwar gibt es bereits unzählige Optimismus-Aphorismen, die man so lange um die Ohren gehauen bekommt, bis man sie nicht mehr hören kann (das geht zumindest mir manchmal so, wenn es so ganz abgelutschte Dinger sind wie das mit dem Glas: „Also MEINS ist ja immer halbvoll…“). Folgenden aber habe ich tatsächlich noch nie gehört und finde ihn sehr schön; und das nicht nur, weil ich seitdem permanent einen Ohrwurm von „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ habe.

Mein Liebling hat ihn mir geschickt, bevor wir aufgrund der Wüstenexkursion keinen Kontakt mehr haben konnten. Vielleicht mag ich ihn auch deswegen so.

„Ärgere dich nicht, dass der Rosenstrauch Dornen trägt,

sondern freue dich, dass der Dornenstrauch Rosen trägt.“

(Arabisches Sprichwort)


Mich hat dieser Aphorismus auf jeden Fall auf eine Idee gebracht: Vor einiger Zeit habe ich mir in einer Nachtaktion die Nägel lackieren wollen; nicht nur irgendwie, nein, rot-metallic sollte es sein, mit Magnet-Effekt, darüber wollte ich in knallblau phönizische Buchstaben haben, wobei mir mein Freund bei der rechten Hand helfen musste. Ich war für die Aktion eigentlich schon viel zu müde, und das unvermeidliche kam: Das Fläschchen mit dem roten Lack glitt mir aus der Hand und eine Menge ergoss sich auf meine rosafarbene Tagesdecke. Auch mit Literweise Nagellackentferner und Fleckenteufel ging das Zeug nicht restlos raus und der Fleck ist echt hässlich.

Die Idee ist nun, den Fleck mit einer großen Kreuzstich-Bauernrose zu überdecken und eben jenes Sprichwort daneben zu sticken. Wenn das Ergebnis einigermaßen so wird, wie ich es mir vorstelle, wird es eine dekorative Geschichte, auf die ich mich schon wirklich freue. Ich muss jetzt nur noch eine schöne Stickvorlage finden, dann kann es losgehen. Nadeln, Garn und Stickrahmen warten schon.


Wie sich herausstellt, ist es gar nicht so einfach freie Stickvorlagen für Rosen zu finden, und auf Geld ausgeben hatte ich jeztzt nicht so wahnsinnig viel Lust. Also: Selber machen. Das Problem: Ich habe noch nie im Leben irgendetwas in Kreuzstich gestickt (doch, in der Grundschule ein Nadelmäppchen für meine Mama, da waren alle möglichen Stickstiche drauf), geschweige denn eine Vorlage erstellt. Aber: Es ist so simpel, denn es gibt ein Computerprogramm dafür: den Stitch Creator von softonic (http://stitch-creator.softonic.de/?ab=2). Man muss zwar ein bisschen ausprobieren, aber dann klappt es. Ich konnte sogar genau angeben, welche Garnfarben ich habe, und das Programm hat die Vorlage daraufgin angepasst. Außerdem kann man dann selbst noch Feinabstimmungen vornehmen. Also:

2014-09-16 13.23.46 Das Corpus Delicti. Nicht, dass man es sich so noch übers Bett legen wollte…

HattersheimerRose Das ist ein Foto einer Rose aus dem Garten meiner Eltern, das ich mit dem Lasso-Tool etwas zurechtgeschnitten habe (es empfiehlt sich, auch, wenn man die Vorlage dann noch bearbeiten kann, dem Programm doch in etwa den Bereich zu geben, den man dann haben möchte und nicht so viel Schnick Schnack außenrum. Nach meiner Bastelarbeit am PC und der Umwandlung hatte ich dann folgendes auf dem Bildschirm:

Screenshot (1) Natürlich wollte ich auch sofort wissen, wie jetzt meine Fähigleiten als Kreuzstich-Stickerin sind und habe einfach mal losgelegt. Das Material ist gut geeignet, aber ich überlege schon, die Kreuze das nächste mal etwas größer zu wählen, es dauert ewig! Der momentane Stand der Dinge:

2014-09-18 11.41.10 Gut, man sieht Ungenauigkeiten, und irgendwo am Anfang habe ich mich kräftig verzählt, was ich jetzt langsam ausgleichen muss. Aber im Großen und Ganzen… Ich habe den Sticktwist, der ja in der Regel 6-fädig ist, gedrittelt, weil es sonst zu dick geworden wäre. Das Blatt und der Teil direkt darüber sind noch mit halbiertem Faden, das wurde mir zu grob. Etwas Schwierigkeiten machen diese dickeren Längsrippen, da im Muster zu bleiben ist tough. Aber es scheint ja doch irgendwie hinzuhauen.

2014-09-20 10.24.15 Und: Hier ist die Rose komplett. Es ärgert mich ein bisschen, dass man wirklich deutlich sieht, wo ich schon Routine hatte (das linke Blatt habe ich zuerst gestickt, das rechte ganz zum Schluss, da bin ich dann auch trotz Rippe zeilenhaltig geblieben. Ach ja: Das Verzählen vom Anfang hat sich auch fast bis zum Ende bemerkbar gemacht. Aber gut: Das hier ist ein close close Close-up, so genau werde ich mir meine Tagesdecke wohl selten anschauen. Wobei… Jetzt fehlt noch die Schrift außenrum, aber die muss ich noch ein bisschen üben, bis die auf den Stoff darf. Wahrscheinlich wird es eine Spaltstich-Stickerei werden, damit ist man für Schrift relativ flexibel, das habe ich schon mal an einer phönizischen (ja klar, was auch sonst???) Kissenhülle ausprobiert.

Ritualisierung, Ritual, Tradierung, Tradition

„Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche.“

                                                                                                           (Gustav Mahler)


Die Unterscheidung dieser Begriffe treibt mich seit ein paar Tagen um, und angefangen hat es mit einem Frühstück bei meiner Tante. Am Abend des gleichen Tages noch wurde ich krank, was, wie ich betonen möchte, nichts mit dem Frühstück zu tun hatte. Irgendwie schleppte ich mich zur Arbeit und war am nächsten Morgen total daneben. Als eben jene Tante mich dann zufällig anrief und das hörte, lud sie mich zum Übernachten ein, was wunderbar war, denn so konnte ich mich einfach mal wieder von vorne bis hinten verwöhnen lassen. Dann folgte noch ein Frühstück, noch eine Übernachtung,… wir verbrachten fast die ganze Woche zusammen, denn sie hatte Urlaub, und da mein Liebling ja gerade in der Wüste unterwegs ist und ich für die zu schreibende Hausarbeit zu schlapp, passte es perfekt. Dies nur zum Vorlauf, der geneigte Leser wird sich mit Recht fragen, was das mit dem Titel zu tun hat. Einiges, wie mir klar wurde. Ich habe mich wohlgefühlt. Nicht auf die Art, wie es vielleicht der Fall ist, wenn man im Urlaub ist, oder einem schönen Café oder so, sondern heimelig wohl, denn:

Ich bin ein Ritual- und Traditionsmensch. Beides gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.

Ich komme aus einer Tradentenfamilie, auf ganz unterschiedlichen Ebenen: Es gibt sehr viele Insider in meiner Familie, die entweder schon aus den Familien meiner Eltern stammen, oder aber solche, die wir selbst geprägt haben. Das können auch Zitate aus Filmen sein („Dann isses ja gut“ aus Ronja Räubertochter zum Beispiel) oder aber auch die Filme an sich, die uns ein bestimmtes Gefühl der Kindheit vermitteln, so eine Art warmer Kakao für die Seele. Das sind vor allem die Astrid-Lindgren-Verfilmungen, Augsburger Puppenkiste, tschechische Märchenfilme,… Es kommt tatsächlich vor, dass wir sie von Zeit zu Zeit noch zusammen schauen, mindestens aber drüber reden.

Wir tradieren auch Begebenheiten. Erzählen uns immer und immer wieder, wie dies und das doch gewesen ist, damals im Winterurlaub oder mit Uroma/ den Großeltern,… Das hält das Erlebte lebendig und vermittelt einen Hauch des Gefühls des Erlebten.

Echte Traditionen leben wir auch, vor allem an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern, da gibt es auch wieder alte Traditionen, die meine Eltern von zu Hause mitbringen, und solche, die in unserer Familie gerade erst in der Generation meines Bruders und mir Tradition werden. Man ist durch solche Traditionen nicht unter dem Druck, etwas neu für sich erfinden zu müssen, sondern kann sich ein wenig ausruhen, fallenlassen. Wie entspannend heutzutage!

Das, was ich jetzt in den letzten Tagen bei meiner Tante erleben konnte, war noch nicht Tradition glaube ich, wohl aber Ritual. Bettfertig machen zum Beispiel läuft immer, also auch wenn wir zusammen in den Urlaub fahren, nach einem festen Ritual ab (also das volle Beauty-Verwöhn-Programm). Dazu gehört, dass sie die Führung übernimmt und ich mich ganz in die Rolle derer begebe, die die Anwendung genießen kann (und das entsprechend lobt). Ein Ritual, an das ich mich gewöhnen kann! 🙂 Lustigerweise vermittelt dieses Ritual eben genau das Gefühl: Wir sind im Urlaub. Im Urlaub also hat eine Ritualisierung begonnen, die jetzt schon greift.

Beim Frühstück ist es ähnlich: Traditionell (!) gehört dazu aufgeschnittener Apfel und Karotte, sowie ein gekochtes Ei, Toasties, Finn-Brötchen, Dinkelbrot und irgendwas mit Körnern. You get the point? Es ist eine mega-Auswahl! Zu trinken gibt es, auch traditionell Frühstückssaft-Schorle und Kaffe. Zum Ritual gehört es, dass meine Tante Hummlen im Hintern hat und ich meistens noch nicht mal mein Brot selbst toasten kann, weil sie bereits aufgesprungen ist. Außerdem betonen wir eine gefühlte Milliarde mal, wie gut es uns doch geht (es stimmt ja auch!).

Es ist ein Ritual, das traditionelle Elemente hat und vielleicht gerade selbst zur Tradition wird, denn wir treffen uns regelmäßig. Auch das erste Mal, dass meine Tante meinen Freund kennenlernte, war bei einem Frühstük bei ihr. Also doch schon Tradition? Auf jeden Fall konnte er da schon mal sehen, worauf er sich u.a. so einlässt… 😉

Abschließend: Der ein oder andere mag das vielleicht für langweilig oder eingefahren halten, aber ich wäre nicht ich ohne diese Verbundenheit mit dem Vergangenen und der Freude am Wiedererleben und Ritualisieren von Schönem (nicht alles, was schön ist, wird tatsächlich Ritual, auch das finde ich spannend: Welche Dinge schaffen es, welche nicht und warum?). Es geht ja auch nicht um stumpfes Wiederholen, sondern um ein Lebendighalten von Dingen, die einem wichtig sind. Wie könnte das je langweilig werden?

 

Lobe den Herrn, meine Seele!

Und der Ohrwurm für den heutigen Tag:

„Lobe den Herrn, meine Seele,

und seinen heiligen Namen;

was er dir Gutes getan hat,

Seele, vergiss es nicht!

Amen.“

Ein schöner Kanon, den ich bei der Gauklertruppe „Wanderwind“ kennenlernen durfte. Er begleitet mich, und seit einiger Zeit gibt es kaum etwas, das meinen Gemütszustand besser beschreiben würde.

Ich darf momentan erfahren, dass ein geliebter Mensch tausende Kilometer entfernt sein kann, aber dies eben nur eine räumliche (und zeitlich begrenzte, wenn auch für längere Zeit) Trennung ist. Außerdem gibt es Skype… So kann ich vollkommen gelassen zu Hause vor dem Computer sitzen und zusehen, wie er einen gigantischen Rucksack für einen Zehn-Tages-Trip durch die Wüste packt. Zehn Tage kein Kontakt, Null, aber ich weiß und fühle, dass sich unsere Seelen dennoch so nah sind, dass der andere immer präsent ist.

Jedes liebende Herz wird meine Freude verstehen!

Und das geht an den Einen:

„Führe die Straße, die du gehst,

immer nur zu deinem Ziel bergab!

Hab, wenn es kühl wird, warme Gedanken,

und den hellen Mond in dunkler Nacht.

Und bis wir uns wiedersehen,

halte Gott Dich fest in seiner Hand.

Bis wir uns mal wiedersehen,

hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt!

Er halte dich in seinen Händen,

doch drücke seine Faust dich nie zu fest.“

(Irischer Reisesegen)

Zu Beginn…

… ein Zitat:

τὰ συμβαίνοντά σοι ἐνεργήματα ὡς ἀγαθὰ προσδέξῃ, εἰδὼς ὅτι ἄτερ θεοῦ οὐδὲν γίνεται.

(Didache III,10)


Warum ausgerechnet dieses?

Für mich vermittelt es eine Lebenseinstellung, die zufrieden macht und so tiefe Freude ermöglicht. Es führt weg von der ewigen „warum-immer-ich“-Haltung dahin, gelassener mit Ereignissen in unserem Leben umzugehen. Wir wissen nicht, warum uns Dinge passieren, Es ist aber leichter, sie anzunehmen, wenn wir uns bewusst machen, dass nichts vergebens passiert. Ich wünsche uns allen ein offenes Herz und offene Augen, um so Freudiges dankbar anzunehmen.